Zeichnung einer nachdenklich wirkenden, auf dem Boden sitzenden Frau, daneben der Satz „Lohnt sich Bloggen?“
Arbeitsorganisation In eigener Sache

Lohnt sich Bloggen?

Ein persönlicher Rückblick auf das Bloggen im Jahr 2020: Warum habe ich zwischendurch aufgehört, was hat es gebracht, wie geht’s weiter?

Im vergangenen Jahr habe ich an der Blogging-Challenge #Projekt26 teilgenommen, die von Torsten Landsiedel initiiert wurde. Das Ziel war, ein Jahr lang alle zwei Wochen einen Blog-Artikel mit WordPress-Bezug oder zu verwandten Themen zu veröffentlichen.

Leider habe ich nicht durchgehalten: Nach immerhin zehn Artikeln auf Deutsch und vier Posts auf Englisch war für mich im Juli leider Schluss (ein Nachzügler folgte noch im Dezember).

Warum ich (zwischendurch) aufgehört habe

Was war passiert? Es wäre ein leichtes, hier die Pandemie als Grund anzuführen, doch es lag dann doch anders: Zum einen ist die zweite Hälfte des Jahres bei mir traditionell immer von einem höheren Arbeitsaufkommen geprägt – und in einer Familie mit zwei voll arbeitenden Elternteilen und drei kleinen Kindern schaffe ich es nicht anders, als während meiner Kernarbeitszeit schreiben. Nach unserem Sommerurlaub im August hatte sich dann die Arbeit aufgestaut, und dann habe ich zwar noch einige Blog-Artikel angefangen, aber nicht mehr in den zweiwöchentlichen Rhythmus hineingefunden.

Der zweite und letztlich schwerwiegendere Grund: Ich hatte den Aufwand unterschätzt. Das lag vor allem an den gewählten Themen – fast durchweg sah ich mich veranlasst, halbe Romane zu verfassen, im Durchschnitt so um die 6.000 Zeichen und damit auch weit über den in der Challenge geforderten 1.800 Zeichen. Spitzenreiter war „WordPress, MAGA und die AfD“ mit 7.864 Zeichen, dicht gefolgt von „The new Sussexroyal.com website through the WordPress lens“ (7.722 Zeichen).

Doch auch das Drumherum kostete viel Zeit: Ich entwickelte den Anspruch, zu jedem Artikel eine Illustration zu entwickeln (oder zumindest eine frei verfügbare Illustration zu erweitern). Diese Illustration musste dann in die entsprechenden Formate angepasst werden (Featured Image, Open Graph) und einen Alt-Text bekommen. Ein Meta-Text durfte natürlich auch nicht fehlen, das Sharing auf Twitter und anderen Plattformen musste auch gemacht werden – kurzum: Es ging letztlich einfach zu viel Zeit drauf, meine eigentliche Arbeit blieb liegen, aus die Maus. 🐭

Was könnte die Lösung sein? Den gestalterischen Anspruch herunterzuschrauben, thematisch kleinere Brötchen backen, und bei größeren Themen den Rat von Torsten Landsiedel befolgen und daraus Artikelserien zu machen.

Warum es sich doch gelohnt hat

Dieser Blog hat lange Zeit ein Schattendasein gefristet. Vorherige Versuche, regelmäßig Artikel zur veröffentlichen, waren krachend gescheitert, etwa bei einer Art „Eltern-Blogging“ im Jahr 2016, oder auch das sehr ambitionierte „200 words a day“ Anfang 2019.

Daher hat es Spaß gemacht, den Blog wieder etwas mit Leben zu füllen. Diese 15 Artikel waren mehr, als ich seit Jahren geschrieben habe. Und ich habe wieder festgestellt, dass ich zwar langsam, aber doch sehr gerne schreibe.

Es war auch sehr motivierend, Mitstreiter*innen zu haben und zu merken, dass die Artikel auch wirklich gelesen werden. Gerade über die Kommentare habe ich mich sehr gefreut – ebenso wie über Torstens Erwähnung meines Artikels „Let’s talk about death, baby – über den digitalen Nachlass von Freelancer*innen“.

Die höhere Publikationsfrequenz machte sich auch wirklich in den Zugriffszahlen bemerkbar. Vorher verirrte sich fast nie jemand hierher, jetzt kommen immer mehr Leute. Interessant ist, dass die Zugriffszahlen auch nach meinem „Ausscheiden“ im Juli stetig weiter anwuchsen – ist das dieser organische, Content-basierte Traffic, von dem immer alle reden? 🤔

Die wachsenden Zugriffszahlen haben mich dann im Spätsommer sogar zu dem Übermut verleitet, mich bei der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) zu registrieren, um zukünftig das große Publisher-Money abzuräumen. Es war zwar klar, dass ich in 2020 wohl kaum noch die erforderlichen Zugriffszahlen erreichen würde – doch siehe da, ein Artikel hat es dann doch geschafft, zumindest den „anteiligen Mindestzugriff“ (hier eine Definition von Udo Telaar) zu knacken. Leider umfasst der Artikel nicht die erforderlichen 10.000 Zeichen. Schau’n mer mal. 🤷‍♀️

Als dann tatsächlich ein paar Leute hier auf dem Blog auftauchten, musste ich mich auch der Realität stellen, dass sich die Website nicht in dem besten Zustand befand. Und daher habe ich nebenher immer wieder an ihr gebastelt: Übersetzungen eingepflegt, kleinere Theme-Anpassungen vorgenommen, About- und Meta-Texte verfasst, die Struktur angepasst… Es bleibt aber noch einiges zu tun. Und wie lange ich dem etwas in die Jahre gekommenen Uku-Theme von Elmastudio noch treu bleibe, frage ich mich zurzeit auch.

Vor allem aber denke ich, dass ich durch das Bloggen auch professionell wachsen konnte: Ich habe durch die Challenge viele Artikel gelesen und dabei einiges lernen können. Für einige meiner Artikel musste ich tiefgehend recherchieren, was meine Expertise erweitert hat. Viele Artikel habe ich auf LinkedIn und Xing geteilt, einige Reaktionen eingeheimst und bin so sichtbarer geworden. Und nicht zuletzt hat es mir geholfen, mich in der deutschen WordPress-Community ein wenig stärker zu vernetzen: Obwohl ich ja schon ganz schön lange mit WordPress arbeite, kenne ich leider bislang kaum Leute aus der Community persönlich. Hier freue ich mich, etwas mehr in Kontakt gekommen zu sein. Vielleicht machen wir beim „nächsten WordCamp Deutschland“ ein kleines #Projekt26-Meetup?

Wie es weiter geht

Ich zögere noch, mich wieder vollends der #Projekt26-Challenge zu verpflichten. Vielleicht mache ich für mich ein #Projekt12 daraus – ein Artikel mit WordPress-Bezug im Monat. Die Zeit fürs Bloggen bleibt weiter begrenzt – nicht zuletzt, weil ein Ende der pandemiebedingten Schul- und Kitaschließungen noch nicht wirklich absehbar ist. Zudem habe ich aber auch das Bedürfnis, noch ganz andere Themen hier aufzugreifen, die wohl kaum in die Challenge werden einfließen können. Frei nach Krokodella: „Ihr werdet schon noch seh’n!“


(Ich bin jetzt übrigens schon wieder bei knapp 6.000 Zeichen und insgesamt zweieinhalb Stunden Aufwand angelangt. 🤷‍♂️)


Die Illustration oben beruht auf der Arbeit von Pablo Stanley auf opendoodles.com und steht wie das Original in der Public Domain. Die Typeface ist die wundervolle Monotalic (hier bei Adobe Fonts) der serbischen Kostić Type Foundry, die Farbpalette stammt von Coolors.co.

4 Kommentare zu “Lohnt sich Bloggen?

  1. Für mich war der Sommer auch der Knackpunkt. Mein einziger Aussetzer war der Sommerurlaub und dann Arbeit aufholen und gleichzeitig Artikel schreiben hat auch bei mir nicht geklappt. Habe es dann aber wieder geschafft reinzufinden. Dafür habe ich dann Ende des Jahres einen Artikel mit reingeschoben. Überhaupt ist die Zeit ein kritischer Faktor hier. Bin ja auch Papa und schreibe nur in meiner Kernarbeitszeit, aber die großen Projektideen, die mit viel Recherche und Tests verbunden sind, bleiben dann doch liegen und ich nehme lieber den kleinen Meinungsartikel oder Techniktipp. Da weiß ich selbst noch nicht, wie ich das machen soll. Vielleicht mal zwei kleine Sachen vorschreiben, um dann mehr Zeit zu haben …

    • Ahja, spannend, dass es bei dir ähnlich war. Den Plan, dieses Jahr etwas vorproduzieren, hatte ich auch schon ins Auge gefasst.

  2. Moin Alex! Danke für die Verlinkung und weiterhin viel Erfolg bei Projekt26 oder Projekt12 🙂 Hauptsache es macht Spaß.

    Viele Grüße,
    Udo

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