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Raus aus der Sackgasse – meine Erfahrung mit der Freelancer-Plattform Codeable

Kürzlich habe ich mir spontan von einem Entwickler helfen lassen, den ich bis dahin noch nicht kannte. Wie ist das abgelaufen?

Kürzlich geriet ich bei der Entwicklung einer Website in eine Sackgasse: die Post-Query, mit der ich die Funktionalität eines Premium-Plugins in einem ziemlich spezifischen Aspekt erweitern wollte, funktionierte einfach nicht. Das Support-Team des Plugin-Herstellers richtet berechtigterweise aus: Diese Art von Anpassungen ist out of scope, geht also über den regulären Support-Umfang hinaus.

Was nun? Ich war mir ziemlich sicher, dass das Problem von einer Person mit den entsprechenden PHP-Kenntnissen relativ leicht zu lösen sein müsste. Aber leider hatte ich niemanden zur Hand, außerdem war es ziemlich dringend. Und es handelte sich um ein regulär bezahltes Auftragsprojekt. Vielleicht sollte ich einfach jemanden direkt damit beauftragen? Der Plugin-Hersteller verweist auf seiner Website auf die Plattform Codeable, um Parter:innen für spezielle Anpassungen zu finden. Codeable war mir schon ein Begriff, aber ich hatte die Plattform noch nie genutzt. „Free estimate“ und „No obligation to hire“ konnte ich auf der Startseite lesen – ein Versuch war es wert.

Was ist Codeable?

Codeable wurde schon 2013 gelauncht und hat seinen Hauptsitz in Dänemark. Die Plattform vermittelt ausschließlich WordPress-Entwickler:innen und besetzt damit eine konkrete Nische im Vergleich zu anderen Freelancer-Plattformen wie Upwork, Twago oder auch Fiverr. Laut eigener Aussage sind nur etwas über 500 Entwickler auf der Plattform registriert, die zunächst einen Prozess der Eignungsprüfung durchlaufen müssen. Flankiert wird die Arbeit der Entwickler:innen offenbar von einem eigenen Support-System, das auch Projekte auffängt, die schieflaufen.

Mehr Infos zum Unternehmen finden sich in diesem Interview mit Gründer Per Esbensen auf dem Kinsta-Blog und in diesem schon ziemlich alten WP-Tavern-Artikel. Die Entwicklerperspektive liefert zum Beispiel Francesco Carlucci in einem Blogbeitrag vom April 2020.

Wie läuft die Projektausschreibung auf Codeable ab?

Nach der einfachen Registrierung landete ich in einem ziemlich reduzierten Dashboard, und folgte dem mehrstufigen „Create a new project“-Prozess. Ich wählte im ersten Schritte „Customizing“ und „Plugin“ aus, und sah mich dann schon einem Formular gegenüber, in dem ich das Projekt beschreiben sollte. Was mir hier auffiel: Es gab keine Möglichkeit, mein Plugin aus einer Liste o.ä. auszuwählen – also nahm ich den Namen des Plugins mit in den Projekttitel auf und versuchte, mein Problem möglichst genau zu beschreiben.

Screenshot von der Codeable-Website mit dem Kostenkalkulations-Tool und dem folgenden Hinweis: „Projects like this usually start from $480 USD“
Ausschnitt aus dem Projekterstellungsprozess bei Codeable

In Schritt 3 bekam ich allerdings einen kleinen Schreck: Auf die Aufforderung „Please answer the following to get an idea of our pricing“ hin wählte ich „low complexity“ und „urgent“ aus – und bekam folgende Preisabschätzung serviert: „Projects like this usually start from $480 USD“. Dies war dann doch etwas mehr als erwartet und wirkte auf mich erst etwas abschreckend, aber ich war ja noch keine Verpflichtung eingegangen. Ich veröffentlichte das Projekt und wollte den Arbeitstag dann eigentlich bald beenden – aber nur wenige Minuten später hatten sich schon gleich zwei Entwickler aus Pakistan und Neuseeland mit Rückfragen gemeldet. Das ging ja schnell!

Beide Nachrichten waren sehr freundlich und persönlich. Während der erste Entwickler aber offenbar per Copy & Paste einen kurzen Fragenkatalog mit allgemeinen Fragen zum Hosting und zur WordPress-Version mitschickte und hinsichtlich meines Problems noch sehr vage blieb, war der zweite Entwickler sehr konkret und wusste offensichtlich direkt, worum es mir ging. Ich beantwortete alle Fragen und setzte auf Nachfrage dann noch schnell eine Staging-Version meines Projekts auf, um die unmittelbare Inspektion zu ermöglichen. Die Zugangsdaten konnte ich über einen „Credential Vault“ mit den Entwicklern teilen. Dann ging’s für mich endlich ins Bett.

Zack, fertig!

Am nächsten Morgen erwarteten mich weiteren Nachfragen des ersten Entwicklers sowie eine Nachricht und ein konkretes Angebot des zweiten Entwicklers. Letzterer hatte seine Lösung offenbar schon getestet und bot mir an, sie für 117,50 USD zu implementieren (17,5 % eines jeden Rechnungsbetrags verbleiben bei Codeable).

Spannend finde ich hier, wie Codeable versucht, ein gegenseitiges Unterbieten zu unterbinden. Gehen mehrere estimates ein, ermittelt die Plattform einen Durchschnittswert, zu dem dann die Beauftragung erfolgen kann. Mehr dazu hier in der Codeable-Dokumentation.

Ohne lang zu zögern, nahm ich per Knopfdruck das Angebot an, und nach einem weiteren kurzen Austausch über den gewünschten Output der gesuchten Post-Query war die Sache auch schon gegessen. Ich übernahm den angepassten Code in meine eigene Entwicklungsversion der Website, löschte die Staging-Seite und bedankte mich bei dem beauftragten Entwickler mit einer Fünf-Sterne-Bewertung. Die Bezahlung lief per PayPal, eine ordnungsgemäße Rechnung bekam ich per Mail oder über das Dashboard. Super gelaufen.

Was könnte besser laufen?

Die Prozesse und das Dashboard von Codeable können an ein paar Stellen noch etwas Feinschliff vertragen. Die automatische Preisabschätzung war in meinem Fall ja ziemlich daneben, aber soll vielleicht die Erwartungen dämpfen, hier ein Schnäppchen machen zu können. Stark ausbaufähig ist der Chat, der mit allen interessierten Entwicklern gemeinsam zum jeweiligen Projekt abläuft. Hier könnte Codeable sich ein wenig von Github-Issues oder anderen Plattformen inspirieren lassen, denn ich konnte weder per @-Nennung die jeweiligen Entwickler direkt ansprechen, noch konnte ich aus ihren Nachrichten zitieren. Auch ließ sich hier Code nicht als preformatted text austauschen, was ziemlich fehlerträchtig ist.

Weiteres Problem: Mit der Beauftragung „meines“ Entwicklers wurde der andere Entwickler automatisch aus dem Chat ausgeschlossen, sodass ich mich nicht von ihm verabschieden und für sein Interesse bedanken konnte. Weiteres kleines Manko: Es gibt keine Agency-Entwickler-Profile bei Codeable, sodass mich „mein“ Entwickler unter dem Profil seines Kollegen kontaktieren, die Nachricht aber mit seinem eigenen Namen signierte. Etwas verwirrend, und mit Sicherheit besser zu lösen.

Fazit

Hätte ich das Problem auch selbst lösen können? Irgendwann, vielleicht. Hätte ich die gesuchte Lösung vielleicht anderswo günstiger bekommen können? Womöglich. Codeable hat mich aber sehr schnell zum gewünschten Ergebnis geführt, der Kontakt war sehr freundlich und persönlich, das Interface alles in allem sehr funktional. Etwas gelernt habe ich auch, als ich mir dann die Lösung des Problems genauer anschaute. Insgesamt war das eine ziemlich positive Erfahrung. Wenn ich wieder in eine Sackgasse gerate, werde ich die Plattform wieder in Betracht ziehen.


Was machst du, wenn du nicht mehr weiter weißt und die Zeit drängt? Welche Erfahrung hast du mit Codeable oder anderen Freelancer-Plattformen gemacht? Bist du vielleicht als Entwickler*in bei Codeable registriert? Wie ist es dann für dich, über die Plattform Arbeit zu finden?


Das Bild oben basiert auf einer Illustration von Pixeltrue auf Ouch!.

4 Kommentare zu “Raus aus der Sackgasse – meine Erfahrung mit der Freelancer-Plattform Codeable

  1. HI Alex, wenn ich mal Hilfe brauchte, habe ich mir das entweder (meist mühevoll) selbst zusammengebaut oder mir Hilfe über fiverr oder andere Plattformen gesucht. Leider waren die Ergebnisse meist nicht ganz so super. Da ich Codeable noch so gar nicht kannte, danke ich für diesen Tipp! 🙂 Wirklich spannend ist ja, dass der tatsächliche Preis schließlich doch weit unter dem vorherigen Vorschlag lag. Meist ist es ja andersherum …LG Jasmina

    • Hallo Jasmina,

      das freut mich sehr, danke für das Feedback!

      Ja, ich denke auch, dass bei Codeable sehr auf die Qualität geachtet wird. Ich habe auch ein paar Erfahrungsberichte gelesen, dass der Support eingesprungen ist und sehr hilfreich dabei, wenn Projekte mal nach hinten losgegangen sind.

      Viele Grüße, Alex
      (PS: Ich kannte deine Website noch gar nicht – und jetzt werde ich mal die „fairste“ Drei-Konten-Lösung im Familienrat vorschlagen 😉

      • Hi Alex, yeah – sehr cool! Bin gespannt, wie euer Familienrat entscheidet 😉 Lass es mich wissen ! 🙂 Noch eine Frage zu Codeable. Ich habe mir so ziemlich alles rund ums Coden in WordPress (HTML, PHP, CSS) in den letzten 12 Jahren selbst beigebracht, bin da also nicht grundsätzlich ausgebildet…meinst du, das genügt, um bei Codeable auch ein gutes „Endprodukt“ zu bekommen? Ich kann schließlich leider nie so 100%ig bewerten, ob der Code wirklich sauber oder smart zusammengestellt ist…Danke und viele Grüße – Jasmina

        • Hallo Jasmina,

          ich denke, es geht mir da ganz ähnlich. Bei dem im Artikel beschriebenen Mini-Projekt konnte ich die Lösung gut nachvollziehen – bei größeren Sachen könnte es sein, dass ich mich darauf verlassen müsste, dass die beauftragte Person weiß, was sie da tut. Bei Codeable werden die Entwickler:innen anscheinend auch ziemlich umfassend geprüft, bevor sie in den Pool aufgenommen werden. Die Lösung sollte natürlich fehlerfrei funktionieren (etwa: keine Console-Fehler) und auch nicht die Website messbar verlangsamen (in Abhängigkeit des Projekts). Aber vielleicht könnte man da auch noch mehr machen?

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