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„Och, wie blöd, lauter rosa Mädchensachen“

Ach, wie schön, endlich habe ich mit diesem Blog die Möglichkeit, mich über die kleinen Aufreger meines Vaterlebens auszulassen. Willkommen zu meiner neuen Reihe: „Sexismus und sonstiger Schwachsinn in Kinderbüchern“!

In dieser Ausgabe: „Abenteuer mit Karlchen“ von Rotraut Susanne Berner, 2012 erschienen im Carl Hanser Verlag. Das Buch ist Teil einer Reihe von offenbar insgesamt zwölf Büchern, die den Alltag des Hasenjungen Karlchen in einer von sehr menschenähnlichen Hasen bevölkerten Parallelwelt beschreiben.

So unnötig wie unverständlich: Karlchen und der Sexismus (Foto der entsprechenden Kinderbuchpassage)
So unnötig wie unverständlich: Karlchen und der Sexismus

In „Abenteuer mit Karlchen“ begibt sich das kleine Karlchen zusammen mit seinem Freund Ole auf eine Entdeckungsreise durch die Stadt. Auf ihrem Streifzug steuern die beiden Jungs auch einem Spielwarenladen an. Das dortige Angebot beurteilt der Protagonist so:

„Och, wie blöd“, sagt Karlchen, „lauter rosa Mädchensachen. Puppen und so …“

Ich ahne nichts, als ich das Buch zum ersten Mal mit meiner dreijährigen Tochter anschaue. Flüssig lese ich vor und registriere erst gar nicht, was ich da lese. Auf einmal dann dieser Unsinn, vollkommen überraschend. Bei „Puppen und so“ bleibe ich dann doch stecken. Natürlich zu spät. „Papa, warum sind rosa Mädchensachen denn blöd?“ fragt die aufmerksame Mitleserin berechtigterweise.

Ja, warum denn, liebe Rotraut Susanne Berner? Natürlich, es gibt sie, diese Phase, in der Jungs alle Mädchen blöd finden und andersherum, und sie scheint unausweichlich. Aber warum ist das eigentlich so? Und warum müssen Sie als Kinderbuchautorin diesen Konflikt auch noch heraufbeschwören? Welche Wirkung erhoffen Sie sich von Ihrem Buch auf Ihre kleine Leserinnen?

Kein kleines Mädchen wird allein durch dieses Buch ihr Selbstbewusstsein verlieren. Aber eine hanebüchene Passage wie diese ist einer der tausend Nadelstiche, die Mädchen zu verstehen geben, dass sie unserer Gesellschaft weniger wert sind als Jungs und dass sie sich ihr Leben lang unterzuordnen haben. Vielen Dank für nichts, Karlchen!

Fotos: Karrierevater.de, Illustration und Text: © Rotraut Susanne Berner / Carl Hanser Verlag

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